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André Averhoff – Geschäftsführer
andre.averhoff@digitalsalt.de
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Lessons Learned aus einem U-Boot-Programm
Gemeinsam mit einem deutschen Systemanbieter für U-Boote, Überwasserschiffe und maritime Elektronik haben wir die bestehende Toolchain auf den Prüfstand gestellt – mit dem Ziel, sie an die spezifischen Anforderungen eines neuen Programms anzupassen. Im Mittelpunkt standen gezieltes Systems Engineering, fundierte Prozessanalyse und präzise PLM-System-Optimierung, um die Voraussetzungen für die bevorstehenden Projektmeilensteine Preliminary Design Review (PDR) und Critical Design Review (CDR) zu schaffen.
U-Boote gehören zu den anspruchsvollsten Ingenieursleistungen überhaupt. In einem solchen Programm treffen militärische Anforderungen, höchste Sicherheitsstandards und jahrzehntelange Lebenszyklen auf komplexe Lieferketten, internationale Normen und wachsende Datenmengen.
Ein einziger Systemfehler oder ein unklarer Änderungsprozess kann hier Millionen kosten – oder ein Kunden-Review platzen lassen.
— Ryan Lilly
Der Sinn einer Gap-Analyse ist es, auf die andere Seite zu kommen – mit einem klaren Bild davon, wo man steht, was fehlt und wo es konkret weitergehen kann. Statt sich in Details zu verlieren, ging es darum, Orientierung zu schaffen und praktikable Ansätze für die nächsten Schritte aufzuzeigen.
Um dieser Komplexität begegnen zu können, braucht es mehr als gute Tools – es braucht Klarheit über Prozesse, Schnittstellen und Zuständigkeiten. Genau hier setzt eine strukturierte GAP-Analyse an: Sie schafft die notwendige Transparenz, um gezielt nachzuschärfen, was für Steuerbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Projektsicherheit entscheidend ist.
Wir führten eine Gap-Analyse durch, um zunächst folgende zentrale Fragen zu klären:
Vertrags- und Anforderungsprüfung: Was verlangt der Vertrag, was fordern die Reviews?
Toolchain-Check: Wie sind Doors NG, Teamcenter und SAP aktuell aufgesetzt?
Prozessbewertung: Wo fehlen Standards, Schnittstellen oder Zuständigkeiten?
Maßgeschneiderte Empfehlungen: Was ist kurzfristig machbar, was langfristig notwendig?
Der Grundgedanke dabei: Nicht alles neu denken – sondern gezielt weiterentwickeln, was bereits vorhanden ist. Mit klarer Struktur und gemeinsamem Verständnis.
Ein U-Boot-Programm kann bis zu 250.000 Systemanforderungen enthalten – verteilt über mehrere Jahre, Teams und Tools. Ohne eine klar abgestimmte PLM-Toolchain drohen durch ineffiziente Prozesse erhebliche Zeitverzüge und Mehrkosten.
In intensiven Workshops mit den Fachbereichen kristallisierten sich fünf Schwachstellen heraus, die sie sich auch in vielen anderen großen Entwicklungsprojekten finden lassen:
Die präzise Ableitung aus Systemanforderungen in Richtung Einkauf ist oft technisch aufwendig und wenig automatisiert.
Eine verlässliche Kopplung zwischen Planung, Toolunterstützung und Meilensteinlogik ist oft nicht gegeben.
Die Nachvollziehbarkeit von Konfigurationsständen gestaltet sich mit zunehmender Komplexität schwierig.
Anforderungen sind häufig nicht konsistent modelliert oder durchgängig rückverfolgbar.
Ohne standardisierte Prozesse fehlt häufig Transparenz bei der Bewertung und Dokumentation von Änderungen.
Um diese Schwachstellen gezielt zu adressieren, entwickelten wir auf Basis der Gap-Analyse gemeinsam mit dem Projektteam ein Maßnahmenpaket, das technologische, organisatorische und methodische Elemente miteinander verbindet:
Team Empowerment und Zusammenarbeit stärken
Zur nachhaltigen Verbesserung der Arbeitsweise in den Bereichen Requirements- und Configuration Management wurden folgende Maßnahmen vorgeschlagen:
Methodencoaching und fachliche Begleitung der beteiligten Fachbereiche
Förderung bereichsübergreifender Abstimmung und der Entwicklung gemeinsamer Qualitätsstandards

Prozesse vereinfachen und Rollen klar definieren
Um Abstimmungen effizienter zu gestalten und Engpässe frühzeitig zu erkennen, wurden folgende Ansatzpunkte formuliert:
Vereinfachung und Fokussierung bestehender Abstimmungsprozesse
Klare Definition von Zuständigkeiten und Entscheidungspfaden
Identifikation kritischer Rollen und Entwicklung von Maßnahmen zur Entlastung

Review-Vorbereitung strukturiert aufsetzen
Für die anstehenden Design-Meilensteine (PDR und CDR) wurde ein übergreifendes Framework entworfen, das folgende Elemente umfasst:
Standardisierte Review-Prozesse mit klarer Meilensteinplanung und definierten Qualitätskriterien
Präzise Festlegung der benötigten Daten und Nachweise zur Review-Vorbereitung

Anforderungsmodellierung und Toolkonfiguration verbessern
Zur Sicherstellung einer konsistenten Datenbasis und einer verlässlichen Systemnutzung wurden folgende Maßnahmen ausgearbeitet:
Entwicklung eines konsistenten Anforderungsmodells in DOORS NG
Konzeption einer Datenmigration und -transformation aus einem bestehenden Legacy-System
Optimierung der IBM JAZZ Plattform zur Unterstützung der Verknüpfung von Anforderungen und Testfällen

Die Gap-Analyse hat deutlich gemacht:
Nicht fehlende Tools bremsen Projekte aus, sondern mangelnde Integration und unklare Strukturen.
Durch gezielte Maßnahmen konnte das Projektteam potenzielle Risiken frühzeitig identifizieren und wirksam adressieren. Die angepasste Toolchain bildet nun eine belastbare Grundlage für die anstehenden Design-Meilensteine – und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zum langfristigen Projekterfolg.
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André Averhoff – Geschäftsführer
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