Case Study: Review Ready – So sichert unsere Gap-Analyse den Projekterfolg

Lessons Learned aus einem U-Boot-Programm

Gemeinsam mit einem deutschen Systemanbieter für U-Boote, Überwasserschiffe und maritime Elektronik haben wir die bestehende Toolchain auf den Prüfstand gestellt – mit dem Ziel, sie an die spezifischen Anforderungen eines neuen Programms anzupassen. Im Mittelpunkt standen gezieltes Systems Engineering, fundierte Prozessanalyse und präzise PLM-System-Optimierung, um die Voraussetzungen für die bevorstehenden Projektmeilensteine Preliminary Design Review (PDR) und Critical Design Review (CDR) zu schaffen. 

Ein Programm mit Tiefe – und Tücken

U-Boote gehören zu den anspruchsvollsten Ingenieursleistungen überhaupt. In einem solchen Programm treffen militärische Anforderungen, höchste Sicherheitsstandards und jahrzehntelange Lebenszyklen auf komplexe Lieferketten, internationale Normen und wachsende Datenmengen.

Ein einziger Systemfehler oder ein unklarer Änderungsprozess kann hier Millionen kosten – oder ein Kunden-Review platzen lassen.

„Wer sich zu lange über die Lücke beugt, fällt am Ende selbst hinein.“


— Ryan Lilly

Der Sinn einer Gap-Analyse ist es, auf die andere Seite zu kommen – mit einem klaren Bild davon, wo man steht, was fehlt und wo es konkret weitergehen kann. Statt sich in Details zu verlieren, ging es darum, Orientierung zu schaffen und praktikable Ansätze für die nächsten Schritte aufzuzeigen.

Unser Ansatz: Systematische Analyse als Grundlage fundierter Entscheidungen

Um dieser Komplexität begegnen zu können, braucht es mehr als gute Tools – es braucht Klarheit über Prozesse, Schnittstellen und Zuständigkeiten. Genau hier setzt eine strukturierte GAP-Analyse an: Sie schafft die notwendige Transparenz, um gezielt nachzuschärfen, was für Steuerbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Projektsicherheit entscheidend ist.

Wir führten eine Gap-Analyse durch, um zunächst folgende zentrale Fragen zu klären:

  1. Vertrags- und Anforderungsprüfung: Was verlangt der Vertrag, was fordern die Reviews?

  2. Toolchain-Check: Wie sind Doors NG, Teamcenter und SAP aktuell aufgesetzt?

  3. Prozessbewertung: Wo fehlen Standards, Schnittstellen oder Zuständigkeiten?

  4. Maßgeschneiderte Empfehlungen: Was ist kurzfristig machbar, was langfristig notwendig?

Der Grundgedanke dabei: Nicht alles neu denken – sondern gezielt weiterentwickeln, was bereits vorhanden ist. Mit klarer Struktur und gemeinsamem Verständnis.

FAST FACT

Ein U-Boot-Programm kann bis zu 250.000 Systemanforderungen enthalten – verteilt über mehrere Jahre, Teams und Tools. Ohne eine klar abgestimmte PLM-Toolchain drohen durch ineffiziente Prozesse erhebliche Zeitverzüge und Mehrkosten.

Typische Schwachstellen in komplexen Großprojekten

In intensiven Workshops mit den Fachbereichen kristallisierten sich fünf Schwachstellen heraus, die sie sich auch in vielen anderen großen Entwicklungsprojekten finden lassen:

Bestellspezifikationen

Die präzise Ableitung aus Systemanforderungen in Richtung Einkauf ist oft technisch aufwendig und wenig automatisiert.

Terminplanung

Eine verlässliche Kopplung zwischen Planung, Toolunterstützung und Meilensteinlogik ist oft nicht gegeben.

Konfigurationsmanagement

Die Nachvollziehbarkeit von Konfigurationsständen gestaltet sich mit zunehmender Komplexität schwierig.

Anforderungsmanagement

Anforderungen sind häufig nicht konsistent modelliert oder durchgängig rückverfolgbar.

Änderungsmanagement

Ohne standardisierte Prozesse fehlt häufig Transparenz bei der Bewertung und Dokumentation von Änderungen.

Maßgeschneiderte Maßnahmen für stabile Prozesse

Um diese Schwachstellen gezielt zu adressieren, entwickelten wir auf Basis der Gap-Analyse gemeinsam mit dem Projektteam ein Maßnahmenpaket, das technologische, organisatorische und methodische Elemente miteinander verbindet:

Team Empowerment und Zusammenarbeit stärken
Zur nachhaltigen Verbesserung der Arbeitsweise in den Bereichen Requirements- und Configuration Management wurden folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

  • Methodencoaching und fachliche Begleitung der beteiligten Fachbereiche

  • Förderung bereichsübergreifender Abstimmung und der Entwicklung gemeinsamer Qualitätsstandards

Prozesse vereinfachen und Rollen klar definieren

Um Abstimmungen effizienter zu gestalten und Engpässe frühzeitig zu erkennen, wurden folgende Ansatzpunkte formuliert:

  • Vereinfachung und Fokussierung bestehender Abstimmungsprozesse

  • Klare Definition von Zuständigkeiten und Entscheidungspfaden

  • Identifikation kritischer Rollen und Entwicklung von Maßnahmen zur Entlastung

Review-Vorbereitung strukturiert aufsetzen

Für die anstehenden Design-Meilensteine (PDR und CDR) wurde ein übergreifendes Framework entworfen, das folgende Elemente umfasst:

  • Standardisierte Review-Prozesse mit klarer Meilensteinplanung und definierten Qualitätskriterien

  • Präzise Festlegung der benötigten Daten und Nachweise zur Review-Vorbereitung

Anforderungsmodellierung und Toolkonfiguration verbessern

Zur Sicherstellung einer konsistenten Datenbasis und einer verlässlichen Systemnutzung wurden folgende Maßnahmen ausgearbeitet:

  • Entwicklung eines konsistenten Anforderungsmodells in DOORS NG

  • Konzeption einer Datenmigration und -transformation aus einem bestehenden Legacy-System

  • Optimierung der IBM JAZZ Plattform zur Unterstützung der Verknüpfung von Anforderungen und Testfällen

FAZIT

Effizienz durch klare Prozesse

Die Gap-Analyse hat deutlich gemacht:
Nicht fehlende Tools bremsen Projekte aus, sondern mangelnde Integration und unklare Strukturen.

Durch gezielte Maßnahmen konnte das Projektteam potenzielle Risiken frühzeitig identifizieren und wirksam adressieren. Die angepasste Toolchain bildet nun eine belastbare Grundlage für die anstehenden Design-Meilensteine – und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zum langfristigen Projekterfolg.

Ihr Kontakt

Sie möchten mehr wissen oder benötigen unsere Unterstützung? Wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören!

André Averhoff – Geschäftsführer
andre.averhoff@digitalsalt.de
+49 (0)4131 8848-00